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Nun, gestern war ich mit Hamaris und David zusammen im Kino:
The Merchant of Venice (2005)
Um es gleich mal vorwegzunehmen, ich mag Shakespeare, und ich mag Venedig. Also war es für mich von Anfang an klar, dass ich den Film schauen gehen werde.
Die Erwartungen waren nicht übertrieben, denn nach den letzten wirklich schauderhaften Historienfilmen (Troy, Alexander, King Arthur) muss man davon ausgehen, dass kein Regisseur gross Interesse hat, einem etwas „Leckeres“ vorzusetzten. Schon im Vorspann wird der „Film Fund Luxembourg“ erwähnt... was mich an den wunderschönen Film „Girl with a Pearlearring“ vom letzten Frühling denken lässt (offenbar dieselbe Kulissenstadt, wie für die „Delfter Szenen gebraucht wurde)
Aber ich verheddere mich in Details.
Erster grosser „Wow“ es wurde erstaunlich viel Originaltext verwendet (Antonion: I take the world but as the world, a stage, where everyone must play a part. Oder Portia (Bassanios Herzdame): God made him, and therefore let him pass for a man), da springt das Herz!
Die Kulissen sind sehr gut, die Musik stimmungsvoll, Zauberhaft, mitreissend, die Illusion wird perfekt!
Der Film besticht gerade durch sehr gute Männerkostüme.
Sehr schön auch, die „Anfangsszene“ wo Bassanio Antonio (den Kaufmann) besucht, um ihn (wieder einmal) um Geld zu bitten. Antonios Besuch isst mit einem „Pricker“ diese kleinen „Zahnstocher mit Griff“, welche in der Renaissance als Gabelersatz dienten.
Selbst Hemden sind sorgfältig gemacht, Antonios Hemd in der Gerichtsszene hat einen kleinen aber feinen Blackwork-Abschluss. (Nur das mit Paillettenbestickte Hemd in der Kisten-Szene hätte man besser weggelassen)
Nun zu den Damen: Die Kleider der Damen sind durchwegs nach dem selben Muster geschneidert - Wunderschöner Bevilsacqua Brokat, aber: Schnitt à la Bartholomäusnacht, Kreuz-schnürung auf dem Rücken, Jammerschade!! Aber abgesehen davon: Nerissas (Portias Zofe) Kleider erwecken teilweise wirklich diesen „Veronese-Look“, wirken echter denn Portias oder Jessicas (Shylocks Tochter) Kleider. Jessica wird sehr überzeugend gespielt, nur mit einer zu umfangreichen Garderobe, eine Edelfrau könnte neidisch werden!
Leider ist die Damengarderobe nicht so besonders, aber sie wirkt, oh ja, sie wirkt!!
Und nun zu Shylock (Antonios Gläubiger): Al Pacino spielt absolut hervorragend, ausgezeichnet, unglaublich glaubhaft, einfach Genial!
Zu den „Negativpunkten“:
Die Judenverfolgung war in Venedig weniger drastisch als im Resteuropa, zudem war ein rotes Barett alles andere als ein reines „Judenmerkmal“. Im Film wird die jüdische Gemeinde sehr drangsalidiert, das war zu Beginn (Errichtung des Ghetto) schon so, aber der Film spielt in den 1590gern, da war es (je nach Stadtregierung) etwas ruhiger bzw toleranter.
Venezianische Masken. Wunderbares Touri-Souvenir, nur finde ich es etwas bedenklich, 1:1 18 Jh Masken, welche auch heute noch verkauft werden, in einem Ren-Film zu verwenden.
Portia und Nerissa und Jessica (allgemein Frauen aus gutem Haus) verliessen das Haus kaum unverschleiert, nur so als Anmerkung.
Auch war Venedig nicht überbevölkert von barbusigen (!) käuflichen Frauen. Es gab sie, aber Scusi, es gab auch noch normale Bewohner dieser Stadt.
Stellenweise ist der Film sehr langatmig, so dass man sich denkt: Ich geniess das ja, gute Schauspieler, guter Text, aber ich denk, das ganze restliche Kino macht nun grad Nickerchen.
Wirkliche Spannungsmomente gibt es leider leider nicht.
Fazit: Wer Shakespeare mag, hat gerade durch die kleinen Hints und viel Originaltext Freude am Film. Wer Historienfilme mag, hat viel für Augen und Ohren. Wer Komödien/Actionkino mag, sollte besser zuhause bleiben.
Ich werd sicher nochmals gehen :-)
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